FairGedacht
soziale und ökologische
        Organisationsentwicklung

DAS ENTSTEHEN EINER NEUEN NETZWERKGESELLSCHAFT

„Ohne das Gelingen von Kooperationen kann
nichts entstehen, was lebensfähig ist“ (Joachim Bauer)


Das Entstehen einer neuen Netzwerkgesellschaft ist offensichtlich. Menschen vernetzen sich über die neuen Möglichkeiten sozialer Netzwerke. NGO’s bilden eine ernst zu nehmende zivilgesellschaftliche Kraft. Die Politik ist zur Lösung der heutigen komplexen Probleme in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt und Soziales staatenübergreifend auf eine enge Vernetzung und Zusammenarbeit angewiesen. Mitarbeiter in Unternehmen sind global vernetzt, Unternehmen vernetzen sich mit ihren Kunden und kooperieren mit Mitbewerbern und eigenen Zulieferern. In der Vergangenheit wurden in der Automobilindustrie Kooperationen in der Entwicklung und Produktion primär geschlossen, um Kosten zu senken. Mit der weiteren Verlagerung des Wertschöpfungsanteils vom OEM auf die Zulieferer während der letzten Jahre und den notwendigen Neuentwicklungen alternativer Antriebe, haben sich die Motivationsgründe Kooperationen einzugehen verändert. Abhängigkeitsverhältnisse wurden weiter entkräftet und es sind Kooperationen branchenübergreifend entstanden. Die Weltkarte der Kooperationen im Bereich alternativer Antriebe der Entwicklungspartner ist kaum noch überschaubar. Stromkonzerne, Mobilitätsanbieter, Nah- und Fernverkehrsbetriebe, Universitäten und Elektrokonzerne sind nur einige der vielen Kooperationspartner, die die Zusammenarbeit mit den OEMs und den Zulieferern der Automobilindustrie aufgenommen haben. Zur Förderung der Nachhaltigkeitskommunikation in der Lieferkette ist eine enge Vernetzung aller Entwicklungspartner notwendig. Dazu gehören in der Zukunft Kooperationen, die einen Schritt weiter gehen als üblich.

ZIEL: KOOPERATIONEN UND VOLLSTÄNDIGE TRANSPARENZ

Angestrebt wird eine neue Dimension der Vertrauensbildung durch vollständige Transparenz und Offenheit. Dieser Schritt verlangt von den Kooperationspartnern eine Bewusstseinsveränderung mit dem Hintergrundwissen, dass zukünftige Systemirritationen komplexer und damit viel schwieriger ohne Kooperationspartner zu lösen sein werden. Nachhaltigkeitsziele, die zu einer entsprechenden positiven Entwicklung von Kooperationen zwischen OEM und Zulieferer und unter den Zulieferern selber definiert werden, sind folgend aufgeführt:

 Vollständige Offenlegung der betriebswirtschaftlichen Zahlen und der Vereinbarung von Gewinnmargen bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen

o Fokussiert die Kooperationsziele auf die Sachebene und weg von finanziellen Interessen

o Fördert Vertrauen und verteilt finanzielle Risiken gleichermaßen

 Das Streben zu einer langfristig orientierten Zusammenarbeit

o Fördert Verlässlichkeit und Vertrauen

o Verteilung der finanziellen Risiken zu gleichen Teilen über den gesamten Produktlebenszyklus

 Kostenlose Offenlegung und Nutzung von Patenten sowie die Vergabe von Nutzungsrechten an die Kooperationspartner

o Fördert Innovationen und Vertrauen

o Bedeutet die Übernahme ethischer Verantwortung
(Das Zurückhalten von Wissen über Techniken im Bereich Gesundheit, Wasserversorgung, Landwirtschaft zum Beispiel für Hilfe in Drittweltländern ist unethisch)

 Produkthaftung und Verantwortungsübernahme aller Kooperationspartner durch langfristige Zusammenarbeit

o Zum Beispiel nach den Serienanläufen von Fahrzeugen bei Entwicklungsaufträgen

 Austausch von Projektmitgliedern untereinander

o Fördert Vertrauen und die Kommunikation durch eine schnelle Netzwerkbildung

 Bildung eines Risikofonds, der unvorhersehbare Kosten in allen Phasen der Kooperation abdeckt. Gemeinsame Vorfinanzierung von Forschungs- und Entwicklungsleistungen.

o Verteilt die finanziellen Risiken gleichermaßen und ermöglicht dadurch eine gleichberechtigte Partnerschaft

In der Vergangenheit wurden Kooperationen in der Automobilindustrie primär mit dem Kooperationsziel der Kostensenkung eingegangen. Durch die Verlagerung von weiteren Wertschöpfungsanteilen vom OEM zu den Zulieferunternehmen im Bereich der neuen, alternativen Antriebe, sind partnerschaftlichen Kooperationen entstanden, die primär technologie- und nicht kostengetrieben sind. Der nächste Schritt zur vollständigen Transparenz und Offenheit ist mit einer Haltungsänderung im Management der Automobilkonzerne verbunden, um die vorgeschlagenen Veränderungen umzusetzen. Die Zukunft der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen liegt in Kooperationen anstatt in der Konkurrenz. Gemeinsam mit den Ideen der Gemeinwohlökonomie in der der Wettbewerb nicht aus Profitinteresse, sondern aus Gemeinwohlinteresse motiviert ist, würden die genannten Vorschläge zu Kooperationen führen, die langfristig Kosten einsparen, die Effizienz der Wertschöpfung steigern und gleichsam sinnvolle, ökologische Produkte und Dienstleistungen hervorbringen.

DAS ENTSTEHEN EINES NEUEN BEWUSSTSEINS

Otto Scharmer nennt in seinem Buch Theorie-U, den Prozess des Umbruchs zu einem neuen Bewusstsein „die kulturell-spirituelle Revolution“. Seiner Meinung treiben drei Faktoren den globalen Wandel voran: „die Entstehung der Zivilgesellschaft als globale Kraft, die Entstehung einer kreativen Klasse und ein neuer Umgang mit Spiritualität“.

Die Vernetzung ist zu einer zivilgesellschaftlich, wirkungsvollen Kraft geworden, wie zum Beispiel die Umweltbewegung, die den Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland bewirkt haben. Oder NGO’s, wie zum Beispiel die Organisation Campact, die innerhalb von Stunden in der Lage ist Tausende Protestunterschriften zu sammeln und an Politiker zu senden oder Kampagnen innerhalb von kurzer Zeit mit hohen Teilnehmerzahlen organisiert. Die zivilgesellschaftliche Kraft übt schon seit Jahren Druck auf die Automobilkonzerne aus, Fahrzeuge ökologisch herzustellen und auch zu betreiben. Es wird der Druck steigen, die vollständige Kette der biologischen- und technischen Kreisläufe zu berücksichtigen, wie beim „Cradle to Cradle“ Prinzip. Parallel dazu wird der Druck auf die Unternehmen der Automobilindustrie wachsen, auch im sozialen Bereich ethische Verantwortung für die Menschen zu übernehmen, die in der Lieferantenkette weit am Ende stehen. Für die Menschen, die in den Unternehmen arbeiten, die beispielsweise durch anonyme Rohstoffbörsen weit von jeglicher sozialer Nachhaltigkeitskommunikation abgeschnitten sind. Die Konsumgesellschaften der westlichen Industriestaaten entwickeln eine neue Kraft der Spiritualität, eine Nachdenklichkeit über die moralische Verantwortung den Menschen gegenüber, denen sie ihren Lebensstandard teilweise verdanken. Die neuen Nachdenklichen wollen wissen, wo und wie ihre Produkte gefertigt werden, ob faire Löhne bezahlt werden und sie wollen sicher sein, dass die Menschen, die diese Produkte herstellen nach westlichen sozialen Standards behandelt werden. Viele Menschen in den westlichen Konsumgesellschaften haben verstanden, dass Sozialkosten nicht auf virtuellen Schuldenbergen aufgetürmt, sondern internalisiert werden müssen. Die folgenden Generationen dürfen nicht weiter belastet werden und was auch sehr wichtig ist, sie sind bereit diesen Mehrwert der Produkte und Dienstleistungen zu bezahlen. In anderen Branchen als der Automobilindustrie, wie zum Beispiel in der Landwirtschaft zur Nahrungsmittelerzeugung, der Textilindustrie und neuerdings auch in der Elektronikbranche, ist dieser Bewusstseins Wandel schon stärker zu spüren. Einher geht diese neue Spiritualität durch die Veränderung von Lebensstilen und Denkweisen, die mit der Suffizienz- (Lebensstile) und der Konsistenzstrategie (Ökologie).

Die Gesellschaft befindet sich in einem Prozess des Umbruchs. Es entsteht ein neues Bewusstsein und die Unternehmen in der Automobilindustrie können sich darauf vorbereiten. Teilweise erscheinen die Ideen zur neuen Ökonomie und den Ideen zu Kooperationen der neuen Netzwerkgesellschaft revolutionär und dem Leser wohlmöglich utopisch und nicht umsetzbar. Ich denke, es ist sehr schwierig aber machbar.

Nach der zivilgesellschaftlichen Kraft und den Wandel der Spiritualität beschreibt Otto Scharmer noch die Kraft der Kreativität. Genau an dieser Stelle haben die Unternehmen die Möglichkeit anzusetzen um die schwierige Transformation in ein nachhaltiges Unternehmen zu bewerkstelligen – Die Kreativität ihrer Mitarbeiter.

ZIEL: DIE KREATIVE KLASSE – MITARBEITER FÖRDERN

Es wurde zum Thema Tripple Bottom Line das  „Drei Säulen Modells“ der Nachhaltigkeit durch die Ergänzung einer vierten Säule, der Bildung, erwähnt. Auf Unternehmen bezogen bedeutet dies, dass ein Bildungskonzept zur nachhaltigen Entwicklung für die Weiterbildung der Mitarbeiter, als Nachhaltigkeitsziel definiert werden muss. Wie schon erwähnt geht es aber nicht nur um die klassische Weiterbildung durch Schulungen, sondern um eine Veränderung des Bewusstseins der Mitarbeiter. Eine Möglichkeit dieser Veränderung zu fördern, ist die von Otto Scharmer entwickelte Philosophie des Presencing. Es ist meiner Meinung nach gut geeignet, wenn es um tiefergreifende Veränderung geht und einen Wandel im Denken voraussetzt, entsprechend einer Transformation in ein nachhaltiges Unternehmen. Auf eine Krise reagieren ist die häufigste Form des Lernens. Es erfolgt eine Veränderung der Handlung erst nach dem Schock, was auch tradiertes Lernen genannt wird. Als nächste Stufe beschreibt Otto Scharmer die Restrukturierung, die auf einer Veränderung der bestehenden Strukturen basiert und eine Verbesserung des schon Ausprobierten darstellt. Eine weitere Stufe ist das Neuausrichten, dass zusätzlich neben den Veränderungen der Restrukturierung auch noch die Veränderung von Prozessen und Denkmustern beinhaltet. Als höchste Stufe des Lernens ist das Presencing, welches von einer authentischen Präsenz den Augenblicks her handelt, dem Jetzt. Die authentische Präsenz entsteht nach Scharmer aus einer bestimmten Art der Aufmerksamkeit und Erfahrung.

Auf dieser Stufe des Lernens ist es möglich die Quellen der Intention und der Kreativität zu erschließen. Diese Zusammenführung führt zu Innovationen, die zur Entwicklung von Nachhaltigkeit notwendig sind. Das Erlernen dieser sozialen Technik des „Presencing“ Scharmers, ist ein Beispiel für ein konkretes Nachhaltigkeitsziel eines Unternehmens.

ZIEL: KLASSISCHE SCHULUNG ZUR NACHHALTIGKEIT

Das Angebot an alle Mitarbeiter zur Teilnahme von Nachhaltigkeitsschulungen und der strategischen Integration, beispielsweise des „Cradle to Cradle“ Konzepts, in ein Geschäftsmodell, welches als Konsistenz-Strategie auch in der Masterarbeit angesprochen wird.

Ziel: Transparenz von Veränderungsprozessen

Um die bislang vorgeschlagenen Ideen umzusetzen müssen Veränderungen vorgenommen werden. Jeder, der sich mit Veränderungen beschäftigt oder selber miterlebt hat, weiß welche schwierigen Prozesse bei Veränderungen in Unternehmen durchlaufen werden. Deshalb schlage ich als weiteres und letztes Nachhaltigkeitsziel, nach der Theorie Scharmers vor, zu lernen wie Veränderungsprozesse ablaufen und wie diese erfolgreich umgesetzt werden können.